22 Stunden für den Klimaschutz
Freitag, der letzte offizielle Tag der COP, wahrscheinlich wird sie aber bis Samstag verlängert. Naja, der letzte Tag und weiterhin keinen Zugang zum Bella Centre.
Wir werden an diesem letzten Tag noch einmal alles geben, denn es geht um unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder, über die dort verhandelt wird.
Der Tag beginnt bereits um 6.00 Uhr. Später wird die Brücke von Malmö nach Kopenhagen gesperrt, da Obama am Flughafen ankommen wird. Von der Ankunft der anderen Staats- und Regierungschefs in den letzten Tagen hat man nicht so viel mitbekommen, Obama legt die Verbindung zwischen zwei Ländern für Stunden lahm. Dementsprechend ist dann auch das Verkehrschaos und wir brauchen über zwei Stunden zum Klimaforum. Dort bereiten wir dann die letzten Dinge für unsere Aktion in der deutschen Botschaft (siehe Artikel weiter unten) vor. Vor allem die Plakate müssen noch gemalt werden, dazu waren wir in der letzten Nacht nach 1.00 Uhr nicht mehr in der Lage.
In den Ochsenhallen, in der Nähe vom Klimaforum, haben sich alle NGO´s versammelt und versuchen von dort so gut es geht ihre Arbeit zu verrichten. Internetzugang ist nur über Kabel möglich, an einer Steckdose hängen über diverse Mehrfachsteckdosen bis zu 15 Laptops, die Geschwindigkeit erinnert an das gute alte Modem. Aber es hat alles eine ganz besondere Stimmung, und schon morgens um acht Uhr sind mehrere Hundert Menschen fleißig bei der Arbeit um am letzten Tag die Verhandlungen noch irgendwie beeinflussen zu können.
Nach unserer sehr erfolgreichen Aktion an der Botschaft, kommen wir gerade rechtzeitig zurück, um die Rede von Obama beim Public Viewing (siehe Artikel weiter oben) zu verfolgen. Aus allen Ecken der riesigen Halle strömen die Menschen voller Erwartungen vor die Leinwand. Was wird Obama sagen, was wird er der Staatengemeinschaft für Zusagen machen? KEINE!!! Nach und nach noch während seiner Rede wird es still in der Halle, Kopfschütteln, ja Entsetzten überall. Und Buhrufe nach der Rede, eine einzige Enttäuschung. Obama hat nichts Neues Versprochen, ein Scheitern des Gipfels wird immer wahrscheinlicher. Doch die Leute lassen sich nicht entmutigen, für den Nachmittag werden noch einmal viele Aktionen geplant um den Politikern im Bella Centre noch ein letztes Mal klarzumachen, dass sie gegen den Willen der Weltbevölkerung handeln. Das Motto „Climate Shame“ wird ausgerufen und soll mich die nächsten zwölf Stunden begleiten.
Um 13.00 Uhr wird der „Fossil of the year“ verliehen. Über 150 Organisationen, die sich im Climate Action Network zusammengeschlossen haben, wählen jeden Tag den „Fossil oft he Day“ (siehe www.fossiloftheday.org). Am Ende der COP werden alle Platzierungen der zwei Wochen zusammengerechnet und ein Jahresgewinner bestimmt. Dieser ist in diesem Jahr, genau wie 2008 in Posen, Kanada, die sich mit ihrer Politik sehr als Bremser des Prozesses hervorgetan haben.
Anschließend begann die „Climate Shame“ Kampagne. Die Staats- und Regierungschefs wurden von den Anwesenden dargestellt und mit dem Slogan „Shame on you“ konfrontiert.
Zurück in der Halle spürte man nach und nach seine eigene Machtlosigkeit, starrte gebannt auf die Leinwand und wusste nichts so richtig mit sich anzufangen. Dabei entwickelte sich eine ganz eigenartige Atmosphäre die in einer Open Stage, mit vielen spontanen Tanz- und Musikeinlagen.
Am frühen Abend wurde noch ein Air Picture mit dem „Climate Shame“ Slogan gemacht, anzuschauen bei www.350.org. Dies war der Abschluss einer Reihe von Bildern die in den letzten Monaten auf der gesamten Welt entstanden sind und zeigen, dass die Menschen auf der gesamten Welt auf ein starkes Klimaabkommen hoffen.
Abends fand dann im Klimaforum die Abschlussveranstaltung des Alternativgipfels statt. Auch dort war der Frust auf den Gipfel, seine abzusehenden Ergebnisse und auf die Politiker spürbar. Doch mit der Gewissheit alles Machtbare getan zu haben, wollten wir noch ein wenig feiern und tanzen zu den Klängen zweier Livebands.
Gegen Mitternacht dann der Schock. Durch eine SMS über den Jugendverteiler erfuhren wir, dass der Gipfel gescheitert ist, da einige Staaten eine Lösung blockierten. Sofort machen wir uns wieder zu den Ochsenhallen auf, um dort die Ereignisse auf der Großbildleinwand zu verfolgen. Wirklich wahr, kaum zu glauben. Drei Jahre Vorbereitung der Politik und zwei Wochen Verhandlungen. Und was ist passiert, NICHTS!!!
Spontan machte sich eine Gruppe Jugendlicher sehr enttäuscht und verärgert auf zum Bella Centre um sich dort Luft zu machen. Mehrere Hundert Menschen versammeln sich dort zu einer Mahnwache und fordern sehr laut und energisch ein Abkommen, welches unsere Zukunft sichert und die Lasten der Vergangenheit gerecht berücksichtigt. Auch wir sind ein Teil dieser Gruppe und lassen unsere Enttäuschung lauthals heraus. Es ist gut zu sehen, das Hunderte ähnlich denken wie wir, wir sind nicht allein und der Kampf gegen den Klimawandel muss gemeinsam weiter gehen. Wir sind bereit weiter zu kämpfen und der Jugend auch weiterhin eine Stimme zu geben. Bei gefühlten -20 Grad und starkem Schneefall nachts um 2.00 Uhr wird aus Wut und Enttäuschung langsam ein „Jetzt erst recht!“.
Nach weiterem Zugchaos, Obama muss ja auch wieder zurück in die USA (die Reise nach Kopenhagen hätte er sich bei diesem Ergebnis an dem er nicht ganz unschuldig ist, übrigens auch sparen können), kommen wir gegen 4.00 Uhr wieder im Hostel an.
22 Stunden für den Klimaschutz, vollkommen fertig und immer noch frustriert falle ich ins Bett. Wir haben alles gegeben, bis zum Umfallen. Wir haben uns nichts vorzuwerfen, wir haben alles menschenmögliche, und auch noch ein wenig darüber hinaus, getan. Ich habe keine Sekunde bereut und werde auch weitermachen. Die Politik muss endlich begreifen, dass sie nicht weiter an der Meinung der Bevölkerung vorbei entscheiden können.
Das Jugendbündnis wird sich weiter in diesem Bereich engagieren und solltest auch du den Klimawandel aufhalten wollen, dann melde dich doch bei uns und unterstütze unsere Arbeit.




